• Mein Heimatort Alt Lostau wurde am Sonntag vom bisher schwersten Hochwasser seiner Geschichte getroffen. In den letzten sieben Tagen habe ich bereits darüber berichtet.

  • Das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) hat bereits bereits 2006 Karten von Hochwasser in der Region Magdeburg erstellt.

  • Gestern veröffentlichte dann das ZKI auch Kartenmaterial vom Höchststand des Hochwassers in Magdeburg vom Sonntag, jedoch in nicht hoher Auflösung. Das KMZ File ist völlig unbrauchbar (siehe Bild unten) – wünschenswert wäre eine Datei welche die Hochwasserregionen als Vektorgrafik über die Karte legt.
    image

  • Daher schreib ich dem ZKI eine Email mit einer Anfrage nach dem Kartenmaterial für mich als betroffenen Anwohner und bekam folgende Antwort:

    „Sehr geehrter Herr Vorsprach,
    vielen Dank für Ihr Interesse an unseren Karten. Unsere Karten sind auf unserer Website in niedriger und mittlerer Auflösung verfügbar. Bei der mittleren Auflösung kann man schon viele Details erkennen, die evtl. ausreichen.
    Leider haben wir derzeit nicht die Erlaubnis, die Karten in höchster Auflösung zu veröffentlichen. Aus diesem Grund habe ich Ihre Anfrage an die zuständigen Behörden: GMLZ (Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Gemeinsames Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern) und BMI (Bundesministerium des Inneren) weitergeleitet, die Ihnen zeitnah antworten werden.

    Freundliche Grüße
    XYZ
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Earth Observation Center | Oberpfaffenhofen | 82234 Weßling
    Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI)
    zki@dlr.de | www.zki.dlr.de“

  • und vom BMI gab es folgende Antwort:

    Sehr geehrter Herr Vorsprach,
    vielen Dank für Ihre Anfrage an das ZKI-Team, die ich von dort erhalten habe. Wir freuen uns über Ihr Interesse an den Satellitenaufnahmen, die originär für die Aufgaben der Geschäftsbereichsbehörden des Bundesministeriums des Innern (BMI), aktuell für die Krisenbewältigung in der derzeitigen Hochwasserlage, erstellt werden. Im Sinne einer transparenten Information der Öffentlichkeit werden die Kartenprodukte im Rahmen der vertraglichen Möglichkeiten auch auf der Webseite des ZKI und im Geoportal.de veröffentlicht. Die höchste öffentlich und kostenfrei verfügbare Auflösung ist auf www.zki.dlr.de verfügbar und bietet den Bürgerinnen und Bürgern umfassende Informationen zur aktuellen Hochwasserlage.
    Sofern Sie darüber hinausgehend einen Bedarf an einem ZKI-Produkt in einer höheren Auflösung, wie sie z.B. den Einsatz- und Krisenstäbe oder Hilfsorganisationen vor Ort bereitgestellt werden, begründen können, weise ich vorsorglich darauf hin, dass
    das BMI nach § 63 Abs. 3 der Bundeshaushaltsordnung (BHO) dazu verpflichtet ist, Vermögensgegenstände nur zu ihrem vollen Wert zu veräußern. Dazu gehören auch die Dateien (Karten). Wir gehen dabei von einem Wert pro Kartenprodukt von ca. 800 Euro aus.

    Ich unterstelle Ihr Einverständnis dazu, dass ich das ZKI-Team über diese Antwort unterrichte.
    Für die aktuelle Situation wünsche ich Ihnen und natürlich auch allen anderen Betroffenen alles Gute.

    Mit freundlichen Grüßen
    i.A. XYZ

    Referat O 7 „Geodäsie und Geoinformationswesen“
    Bundesministerium des Innern
    Alt-Moabit 101 D, 10559 Berlin

  • Das ZKI ist eine Untergliederung des DLR, welches zu 90% aus Steuermitteln finanziert wird. 800 Euro für eine Karte bereits erhoben wurde als Aufwand zu beziffern halte ich für über massiv überzogen vom BMI. Es geht aus meiner Sicht darum, ein bereits erstelltes Kartenobjekt in hoher Auflösung mit auf die entsprechende Website zu legen.

  • Ich selbst als Anwohner kann mir leider diese 800 Euro nicht leisten und ich werde sicherlich nicht der Einzige sein.

  • Am besten für alle Anwohner der Hochwassergebiete wäre es, wenn all diese Karten (nicht nur die Aus dem Bereich Magdeburg) unter CC nicht nur jetzt sondern auch in der Zukunft veröffentlicht werden.

  • Als weiteres langfristiges Ziel stelle ich mir ein Open-Source Tool vor, welches die topografischen Karten z.B. der Landesämter für Geoinformation verwendet (Leider auch nicht unter einer freien Lizenz), diese verbindet mit den Hochwasserdaten des ZKI um eine z.B. eine Visualisierung zu ermöglichen. Man könnte die überfluteten Gebiete bei einem bestimmten Wasserstand (z.B. mit einem Schieberegler) der Elbe flexibel abbilden. Somit könnten Bürger, Gemeinden und Landkreise dann einfach ihren Hochwasserschutzmaßnahmen und Katastrophenschutzplan einfacher zu planen und den aktuellen Gegebenheiten anpassen.
    Außerdem könnten dann die Bürger genau abschätzen ab welchem Pegelstand ihre Häuser gefährdet sind (sofern kein Deich bricht).

  • Aktuell werden die Daten vom ZKI auch über dritte Firmen wie z.B. Rapideye erhoben. – somit entsteht leider ein dichter Urwald von Rechten an den Kartenmaterial.

  • Das DLR hat bereits schon sich mit Creative Commons ausführlich beschäftigt und ist zu einer Vereinbarkeit mit CC Lizenz gekommen.
  • Es wird Zeit das wir als Bürger – nicht nur in Zeiten von Katastrophen – auf die aus Steuern finanzierten Daten – Anspruch erheben!
  • Ich möchte mich an dieser Stelle bei Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland ,
    Anke Domscheit Berg und bei dem Twitter Team vom DLR über die bisherige Unterstützung danken.

Updates

Nachtrag 12.06.2013 22.00 Uhr:

Das BMI hat mir heute abermals geantwortet und mir den Kartenausschnitt per Email zukommen lassen. Leider nützt dies den Flutopfern nicht, da die Karten nicht in der hohen Auflösung auf der Seite des ZKI veröffentlicht wurde.

„Sehr geehrter Herr Vorsprach,
ich beziehe mich erneut auf Ihre Anfrage vom 10. Juni 2013, die wir behördenintern diskutiert haben. Wir möchten grundsätzlich noch einmal auf die bestehende Möglichkeit hinweisen, sich auf der Website des ZKI und im Geoportal.de umfassend und kostenfrei über die aktuelle Hochwasserlage zu informieren und die erstellten Produkte herunterzuladen. Damit wird dem Informationsbedarf der Bevölkerung umfänglich entsprochen.“

Das BMI entscheidet also was der „Informationsbedarf der Bevölkerung“ ist. Gibt es dafür irgendwo eine Definition? Wer hat diesen Bedarf festgelegt? – Wäre es nicht sinnvoll z.B. wie bei der NASA einfach auch die hochaufgelösten Daten oder die Rohdaten auch zu veröffentlichen?

„Ihrer Bitte nach Bereitstellung einer hochaufgelösten Karte ihres betroffenen Gebiets entsprechen wir in der derzeitigen besonderen Lage, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht, gern. Wir bitten Sie jedoch um Verständnis, dass hochaufgelöste Daten prioritär den Einsatz- und Krisenstäben der zuständigen behördlichen Stellen und Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt werden.
Für die aktuelle Situation wünsche ich Ihnen und allen Betroffenen auch weiterhin alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Referat O 7 Geodäsie und Geoinformationswesen“

Man sieht also dass das BMI sich in bestimmten Situationen auch bewegt – die Frage ist warum man ausgerechnet dafür eine Katastrophensituation benötigt. Ich werde versuchen das Ministerium dazu zu bringen entweder die Karten selbst zu veröffentlichen (über das ZKI) oder fragen ob ich die Karte selbst hier veröffentlichen darf.

Nachtrag 13.06.2013 11.50 Uhr:

In Österreich ist man aktuell schon einen Schritt weiter, (danke an Niko für den Hinweis) dort werden detaillierte Karten für die Anwohner veröffentlicht, welche darstellen welche Regionen genau überflutet wurden. Leider sind die Karten nur mit einer IP-Adresse aus Österreich verfügbar.

Hochwasserdaten in Österreich
Hochwasserdaten in Österreich
Hochwasserdaten in Österreich

10 Kommentare

  1. 1

    Da sollte sich definitiv etwas ändern. Haben Sie schon daran gedacht eine Petition zu starten ( https://epetitionen.bundestag.de/ )?

  2. 2

    Gibt es evtl. Möglichkeiten, dass der THW, Betroffene, Freiwillige & Co. direkt Daten bei OpenStreetMap eintragen können?
    http://www.openstreetmap.org

    http://www.zki.dlr.de/de/system/files/product/map/medium/DLR-ZKI-DE-005-deutschland-hochwasser-2013-betroffene-flaeche-detail-elbe-magdeburg-P27-V01_medium.jpg
    … Datenquellen: … Vektordaten: (c) BKG (c) DLR © OpenStreetMap

    Evtl. könnte man so etwas wie eine OpenKatatrophenMap oder OpenHelpMap (Standorte von lokalen Hilfsseinrichtungen und Verpflegungs- u. Anlaufstellen) einrichten?

    Datum, Ort und Höhe der Wasserstandspegel
    Welche Strassen + Hausnummern oder Ortsteile sind hinter einem gefährdeten Deich oder Schutzwand,?
    Gibt es in den gefährdeten Strassen evtl. eine Bodensteigung, die bis zu einer gewissen Höhe Schutz bietet?

    Oder
    Daten über die Flüsse
    – durchschnittliche Wassermenge
    – Niederschlagsmengen und Auswirkungen auf Pegelstände
    – mögliche Überschwemmungsgebiete
    – etc.

    Bundesweit
    – welche Bereiche sind Hochwassergefährdet
    – durch welche Massnahmen kann man wo und wie Hochwasser vermeiden
    (Polder, Renaturierung, Deichrueckverlegung, …)

  3. 3

    Hallo, eine Schulkollegin aus meiner Jugend hat ihre Heimat in Lostau gefunden, deswegen bin ich auf deine HP gekommen.
    Ihr Geburtstag war am 8.6. und sie heisst Sandra mit Vornamen. Das tut eigentlich jetzt nichts zur Sache.
    Wir (in Österreich) hatten ja 2002 ein ähnlich schlimmes Hochwasser und dieses Jahr in den letzten Tagen nur deswegen Glück, weil das Land viel Geld in den Hochwasserschutz gesteckt hat.
    Davon abgesehen war die Vorwarnzeit diesmal viel länger!

    Was wir in Österreich (vor allem Niederösterreich) seit dem HW2002 haben ist eine echt gute ksotenlose Karte mit entsprechenden Information. Diese ist unentgeltlich und frei im Internet verfügbar und sollte jedem zur Verfügung stehen.

    http://atlas.noe.gv.at/webgisatlas/init.aspx?karte=atlas_hochwasser&cms=atlas_wasser

    Bei Fragen, Wünschen etc. melde dich einfach bei mir!
    lg Niko Metz
    office@niko.at

  4. 4

    kennen Sie zürs public?

    http://www.zuers-public.de/zuerspublic-5015/?lang=de
    zum testen bitte folgende Adresse eingeben: Blasewitzer Str. 5, 01307 Dresden [Johannstadt-Nord]

    für dresden funktioniert die warnung schon sehr gut. der großraum magdeburg scheint bei der GDV aber noch nicht hinterlegt u sein!

  5. 5

    vielen Dank für den Hinweis, ich werde das morgen einmal testen wenn ich wieder Internet am Rechner habe

  6. 6
  7. 7
  8. 8

    Noch mehr Fotos aus Lostau http://chistoprudov.livejournal.com/126914.html
    Die Fotoreporter haben der Feuerwehr mit ihren Aufnahmen geholfen.

  9. 9

    […] bei der zuständigen Behörde diese Karten für seine Region angefordert. Er selbst hat dazu einen Blogpost geschrieben. Die Antwort kam von der übergeordneten Behörde aus dem Bundesinnenministerium. Darin […]

  10. 10

    Da versucht man offenbar einfach Geld zu machen, wo Geld gemacht werden kann. Man muss es nicht verstehen, wie mit den Flutopfern umgegangen wird.

Was denkst du?